Wie funktioniert Daytrading? Ein Trade Schritt für Schritt durchgerechnet
Wie Daytrading funktioniert, ist keine Frage der Meinung, sondern eine feste Abfolge von 8 Schritten: Markt und Timeframe wählen, ein Setup abwarten, den Entry definieren, den Stop-Loss setzen, die Positionsgrösse aus Risiko und Stop-Abstand berechnen, die Order platzieren, den Take-Profit festlegen und den Trade dokumentieren. Alle Positionen werden noch am selben Tag geschlossen. Entscheidend ist die Reihenfolge: Stop und Risikobetrag stehen fest, bevor du einsteigst, die Positionsgrösse ergibt sich daraus, und der Hebel kommt zuletzt.
Was Daytrading ist und warum die Mehrheit damit verliert, steht an anderer Stelle. Hier geht es nur um die Mechanik: welche Zahl du wo einträgst und wie du sie ausrechnest. Jede Zahl in diesem Text kannst du nachprüfen.
Wie läuft ein Daytrade Schritt für Schritt ab?
Die Analyse dauert Minuten, die Ausführung Sekunden. Entry, Stop und Positionsgrösse stehen fest, bevor die erste Order im Markt liegt.
- Markt und Timeframe wählen: ein liquider Markt, ein höherer Timeframe für die Richtung, ein niedrigerer für den Einstieg.
- Setup abwarten: eine vorher definierte Konstellation, kein Bauchgefühl.
- Entry festlegen: ein konkreter Preis, an dem du einsteigst.
- Stop-Loss festlegen: der Preis, an dem deine Idee widerlegt ist.
- Positionsgrösse berechnen: Risikobetrag geteilt durch Stop-Abstand.
- Order platzieren: Market oder Limit, Stop-Order sofort hinterher.
- Take-Profit setzen: als Vielfaches des Risikos, nicht nach Gefühl.
- Trade dokumentieren: Zahlen, Grund, Regelverstoss ja oder nein.
Schritt 1: Welchen Markt und welchen Timeframe wählst du?
Bei Krypto-Futures kommen für den Anfang zwei Märkte infrage: Bitcoin und Ethereum Perpetuals. Sie haben die engsten Spreads und die tiefsten Orderbücher, deshalb kostet dich der Einstieg dort am wenigsten. In kleinen Altcoins ist der Spread oft breiter als dein ganzes Gewinnziel.
Du brauchst zwei Timeframes. Der höhere gibt die Richtung vor, typisch der 1-Stunden- oder 4-Stunden-Chart: steigt der Markt dort, handelst du nur Long, fällt er, nur Short, seitwärts bleibst du draussen. Der niedrigere liefert den Einstieg, typisch der 5- oder 15-Minuten-Chart.
Schritt 2: Woran erkennst du ein Setup und wo liegt der Entry?
Ein Setup ist eine wiederholbare Konstellation mit einem klaren Punkt, an dem sie widerlegt wäre. Genau dieser Punkt macht sie handelbar. Ein Beispiel: ETH läuft im 4-Stunden-Chart aufwärts, im 15-Minuten-Chart fällt der Kurs an den EMA20 zurück und bildet dort eine Kerze mit langem unteren Docht und höherem Schlusskurs.
Der Entry ist danach ein konkreter Preis, kein Bereich. In unserem Beispiel steigst du bei 3.200 ein, sobald die Bestätigungskerze geschlossen hat. Wenn du den Preis nicht aufschreiben kannst, hast du kein Setup, sondern eine Vermutung.
Schritt 3: Warum der Stop-Loss vor dem Entry feststeht
Der Stop-Loss gehört an den Preis, an dem dein Setup nicht mehr gilt, also hinter eine echte Struktur im Chart. Im Beispiel liegt das letzte Swing-Tief bei 3.155, dein Stop kommt knapp darunter auf 3.150. Der Stop-Abstand beträgt damit 50 Punkte, rund 1,6 Prozent. Diese 50 Punkte sind die wichtigste Zahl des Trades, weil alles Weitere daraus folgt.
Hier machen die meisten den Fehler. Wer erst einsteigt und dann den Stop sucht, legt ihn dorthin, wo der Verlust erträglich aussieht, nicht dorthin, wo die Idee widerlegt ist. Der Stop gehört ausserdem als echte Order in den Markt. Ein mentaler Stop hält genau bis zu dem Moment, in dem er wehtut.
Schritt 4: Wie berechnest du die Positionsgrösse?
Die Formel hat drei Eingaben und keine davon ist der Hebel: Stückzahl gleich Risikobetrag geteilt durch Stop-Abstand. Der Risikobetrag ist ein fester Prozentsatz deines Kontos, üblich ist 1 Prozent pro Trade.
- Konto: 2.000 USDT, Risiko 1 Prozent, also 20 USDT für diesen Trade.
- Entry 3.200, Stop 3.150, Stop-Abstand 50 Punkte.
- Stückzahl: 20 geteilt durch 50 gleich 0,4 ETH.
- Positionswert: 0,4 mal 3.200 gleich 1.280 USDT.
- Margin bei 10x Hebel: 1.280 geteilt durch 10 gleich 128 USDT.
Jetzt siehst du, warum der Hebel in der Risikorechnung nicht vorkommt. Ob du 10x oder 5x einstellst, dein Verlust am Stop bleibt 0,4 mal 50 gleich 20 USDT. Nur die gebundene Margin ändert sich: 128 USDT bei 10x, 256 USDT bei 5x. Der Hebel finanziert die Position, er bestimmt sie nicht.
Market Order oder Limit Order: was nimmst du wann?
Eine Market Order wird sofort zum nächstbesten Preis im Orderbuch ausgeführt: Ausführung garantiert, Preis nicht, in schnellen Bewegungen zahlst du Slippage. Eine Limit Order legt Preis und Menge fest und wartet im Buch: Preis garantiert, Ausführung nicht. Für geplante Einstiege ist die Limit Order fast immer besser, für den Notausstieg die Market Order.
Der Unterschied ist auch in Zahlen sichtbar. Bei einer Taker Fee von 0,055 Prozent kostet die 1.280-USDT-Position 0,70 USDT pro Ausführung, also rund 1,41 USDT für Ein- und Ausstieg zusammen. Das sind gut 7 Prozent deines Risikobetrags von 20 USDT, abgegeben bevor der Markt sich bewegt hat. Mit einer Maker Fee von 0,02 Prozent wären es zusammen rund 0,51 USDT.
Für den Stop gibt es zwei Varianten. Eine Stop-Market Order garantiert dir den Ausstieg, aber nicht den Preis. Eine Stop-Limit Order garantiert den Preis, kann in einem schnellen Abverkauf aber unausgeführt bleiben. Für den Anfang ist Stop-Market die sichere Wahl.
Wo setzt du den Take-Profit?
Der Take-Profit wird als Vielfaches des Risikos gesetzt. Dein Risiko sind 50 Punkte, das nennt man 1R. Ein Ziel von 2R liegt also 100 Punkte über dem Entry, bei 3.300. Trifft es, gewinnst du 0,4 mal 100 gleich 40 USDT, also 2 Prozent des Kontos bei 1 Prozent Risiko. Auch der Take-Profit gehört als Order in den Markt.
Warum das Verhältnis zählt, zeigt eine Serie. Bei einem 2R-Ziel und 40 Prozent Trefferquote stehen nach 10 Trades vier Gewinner mit je 40 USDT gegen 6 Verlierer mit je 20 USDT, also 160 gegen 120 USDT. Bleiben 40 USDT brutto. Davon gehen 10 mal 1,41 USDT Gebühren ab, unterm Strich rund 26 USDT. Ein Drittel des Ertrags ging an die Börse, und das bei einem Setup, das mehrheitlich verloren hat.
Wie wirken Hebel und Margin mechanisch?
Margin ist die Sicherheit, die du für eine Position hinterlegst. Der Hebel ist nichts anderes als das Verhältnis von Positionswert zu Margin. Deine 1.280-USDT-Position bei 10x bindet 128 USDT. Gewinn und Verlust rechnen sich dabei immer auf die 1.280 USDT, nie auf die 128. Bewegt sich ETH 1 Prozent, sind das 12,80 USDT, also 10 Prozent deiner Margin.
Ein Schalter entscheidet dabei über viel: Isolated oder Cross Margin. Bei Isolated Margin haftet nur die zugewiesene Margin, im Beispiel 128 USDT. Bei Cross Margin steht dein gesamtes Futures-Guthaben hinter der Position.
Wann trifft dich die Liquidation?
Die Börse schliesst deine Position zwangsweise, sobald das verbliebene Eigenkapital der Position unter die Maintenance Margin fällt, bei liquiden Perpetuals oft rund 0,5 Prozent des Positionswerts. Wie weit dieser Punkt vom Entry entfernt liegt, hängt fast nur am Hebel.
Mit den Zahlen von oben, 10x Hebel: Margin 128 USDT, Maintenance Margin 0,5 Prozent von 1.280 gleich 6,40 USDT. Als Verlustpuffer bleiben 121,60 USDT. Geteilt durch 0,4 ETH sind das 304 Punkte. Die Liquidation liegt also bei rund 2.896, gut 9,5 Prozent unter dem Entry. Dein Stop bei 3.150 ist 50 Punkte entfernt und greift weit vorher. Genau so soll es sein.
Dieselbe Position mit 50x Hebel: Margin nur noch 25,60 USDT, Maintenance Margin unverändert 6,40 USDT, Puffer also 19,20 USDT. Geteilt durch 0,4 ETH sind das 48 Punkte. Die Liquidation liegt bei 3.152, zwei Punkte über deinem Stop bei 3.150. Dein Stop wird nie ausgelöst, weil die Börse vorher schliesst. Statt der geplanten 20 USDT verlierst du die komplette Margin von 25,60 USDT plus Liquidationsgebühr.
Ein Stop-Loss schützt dich nur, solange er vor der Liquidation liegt. Danach entscheidet die Börse, wann dein Trade endet.
Wie dokumentierst du den Trade?
Ohne Journal weisst du nach 50 Trades nicht, ob dein Setup funktioniert oder ob du nur eine gute Woche hattest. Die Dokumentation dauert zwei Minuten pro Trade.
- Datum, Markt, Richtung, Timeframe.
- Setup-Name: welches der vorher definierten Muster war es.
- Entry, Stop, Take-Profit, Stückzahl, Risikobetrag in USDT.
- Ergebnis in R, nicht nur in USDT: plus 2R oder minus 1R.
- Regelkonform ja oder nein, unabhängig vom Ergebnis.
- Ein Satz zum Grund für den Einstieg, geschrieben vor der Order.
Die vorletzte Zeile ist die wichtigste. Ein Gewinn nach Regelbruch ist ein schlechter Trade, ein Verlust nach Plan ist ein guter. Belastbar wird die Statistik erst ab etwa 30 bis 50 Trades desselben Setups.
Wo übst du die Mechanik, ohne Geld zu verlieren?
Die gesamte Abfolge lässt sich mit Spielgeld an einer Demo-Börse mit echten Live-Kursen durchspielen. Order-Maske, Hebel, Margin, Liquidationspreis und Fees verhalten sich dort identisch, nur dein Kapital ist nicht echt. Nimm ein einziges Setup, handle es 30 Mal, schreib jeden Trade mit und rechne die Fees ehrlich gegen. Danach hast du Zahlen statt einer Meinung darüber, ob die Abfolge bei dir sitzt.
Häufige Fragen
Wie viel Kapital braucht man zum Daytraden?
Mechanisch reichen bei Krypto-Perpetuals wenige hundert USDT. Sinnvoller ist die Frage anders herum: Bei 1 Prozent Risiko und einem 500-USDT-Konto sind 5 USDT pro Trade im Feuer, während ein Roundtrip schon rund 0,50 USDT Gebühren kostet. Je kleiner das Konto, desto grösser der Anteil der Kosten.
Was ist der Unterschied zwischen Stop-Loss und Liquidation?
Der Stop-Loss ist deine eigene Order und beendet den Trade zu einem Verlust, den du vorher festgelegt hast. Die Liquidation ist die Zwangsschliessung durch die Börse, sobald die Margin aufgebraucht ist, und kostet dich die gesamte hinterlegte Margin plus Gebühr. Der Stop muss deshalb immer deutlich vor dem Liquidationspreis liegen.
Welcher Timeframe eignet sich für Daytrading?
Üblich ist der 1-Stunden- oder 4-Stunden-Chart für die Richtung und der 5- oder 15-Minuten-Chart für den Einstieg. Der 1-Minuten-Chart ist für den Anfang ungeeignet, weil dort das Rauschen überwiegt.
Wie viele Trades macht man pro Tag?
Es gibt keine Zielzahl. Jeder Trade kostet Spread und Gebühren, bevor er eine Chance hat. Ein bis drei geplante Setups pro Tag sind für die meisten mehr als genug, an vielen Tagen ist die richtige Zahl null. Wer eine Mindestanzahl anstrebt, handelt irgendwann Langeweile statt Setups.
Kann man Daytrading ohne echtes Geld lernen?
Die Mechanik komplett, ja: Setup, Entry, Stop, Positionsgrösse, Hebel und Liquidation verhalten sich an einer Demo-Börse mit Live-Kursen wie im Ernstfall. Was Spielgeld nicht abbildet, ist der emotionale Druck mit echtem Kapital. Erst die Mechanik fehlerfrei, dann klein und echt.
Muss man beim Daytrading mit Hebel handeln?
Nein. Der Hebel entscheidet nur, wie viel Margin eine Position bindet, nicht wie viel du riskierst. Berechne die Positionsgrösse aus Risiko und Stop-Abstand und wähle den Hebel danach so, dass die Liquidation weit hinter dem Stop liegt. In der Praxis landet man damit selten über 10x.
Theorie gelesen? Übe sie mit Spielgeld, bevor sie dich Geld kostet.
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Jan Dreher ist Gründer von daytrading-lernen.de und baut Tools für Krypto-Trader, darunter den Simulator mit echten Live-Kursen von Binance und Bybit und den Positionsgrössen-Rechner der Plattform. Er schreibt hier über das Handwerk hinter dem Trading: Risiko, Positionsgrösse und die Mathematik, an der die meisten scheitern. Jede Zahl in seinen Artikeln ist nachrechenbar, jede Empfehlung begründet.