Strategien · Lektion 20 · Fortgeschritten

Set and Forget: planen, platzieren, in Ruhe lassen

Du planst einen Swing-Trade komplett vor dem Entry, platzierst Stop und Ziel als feste Orders und lässt den Trade dann arbeiten, ohne im laufenden Trade an den Regeln zu drehen.

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Das Kernproblem: du nimmst nie Gewinne mit

So beschreibt es ein Trader, der es selbst durchlebt hat: im Trade denkst du ständig ich nehme gleich Profite, aber ich lass noch etwas laufen. Und am Ende nimmst du nie Gewinne mit, weil immer noch mehr drin scheint. Oder umgekehrt: der Trade läuft gegen dich, und du schiebst den Stop ein Stück weiter weg, nur dieses eine Mal. Beide Reflexe kommen aus demselben Ort, dem offenen Trade, in dem die Emotion am lautesten ist.

Set and Forget dreht das um. Stop und Ziel werden VOR dem Entry bestimmt, der Trade wird platziert, und dann lässt du ihn in Ruhe arbeiten. Du triffst jede Entscheidung einmal, solange dein Kopf neutral ist. Danach führt nur noch der Plan aus, nicht der Impuls. Das ist keine Magie, sondern eine mechanische Antwort auf die Verlustaversion: die schmerzhaften Entscheidungen sind schon getroffen, bevor der Schmerz überhaupt entsteht.

Schritt 1: Top-Down von gross nach klein

Fang beim grossen Bild an: Weekly, dann Daily, dann 4h. Mindestens zwei benachbarte Timeframes müssen dieselbe Richtung zeigen, sonst Finger weg. Zeigt der Weekly hoch und der Daily runter, ist der Markt uneins, und du hast keinen Trade.

Lies die Struktur über die Body-Schlusskurse, nicht über die Dochte. Ein Uptrend sind higher highs und higher lows auf Close-Basis, ein Downtrend lower lows und lower highs. Dochte sind Rauschen und Liquidity-Grabs, die Schlusskurse zeigen, wo der Markt wirklich zugemacht hat.

Schritt 2: AOIs, deine Areas of Interest

Eine AOI ist eine Support- oder Resistance-Zone auf dem Daily oder Weekly, an der der Preis in der Vergangenheit mehrfach reagiert hat. Gültig ist sie ab mindestens drei Body-Berührungen. Zeichne sie als schmale Zone (Rechteck), nicht als Linie auf den Cent, denn der Markt reagiert an Bereichen, nicht an exakten Preisen.

Die harte Regel: kein Trade, wenn der Preis nicht an einer AOI ist. Mitten im Nirgendwo, weit weg von jeder Zone, gibt es kein Set and Forget. Du wartest, bis der Preis zu deiner vorbereiteten Zone kommt. Markiere im folgenden Chart eine solche Zone, damit du das Auge dafür trainierst.

Markiere eine Area of Interest mit mindestens drei Body-Berührungen als schmale Zone.

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Schritt 3: Bestätigung an der AOI

Dass der Preis an der Zone ist, reicht noch nicht. Du wartest auf ein Kerzensignal genau an der AOI: ein Engulfing, eine Pin Bar oder eine Inside Bar, die nach dem Break in Trade-Richtung schliesst. Dazu die Konfluenz mit einer EMA, etwa der 20er oder 50er, die an derselben Stelle stützt.

Ohne Bestätigung kein Entry. Eine Zone allein ist eine Vermutung, das Kerzensignal an der Zone ist der Auslöser. Das filtert die Fälle heraus, in denen der Preis einfach glatt durch die Zone fällt.

Schritt 4: Ausführung und dann Charts zu

Der Stop kommt an den Punkt, an dem deine Idee widerlegt ist, also unter die Zone oder unter das Swing Low, das den Entry trägt. Von dort wird er niemals nach hinten verschoben. Das Ziel (TP) liegt an der nächsten Zone oder Struktur, mit einem CRV von mindestens 1 zu 2, besser 1 zu 3.

Die Positionsgrösse rechnest du rückwärts vom Stop: Kontorisiko 1 bis 2 Prozent geteilt durch den Stop-Abstand ergibt die Stückzahl. Der Hebel taucht in dieser Rechnung nicht auf. Dann: Entry-Order, Stop-Order und TP-Order als feste Orders rein, Alerts an die relevanten Zonen setzen und die Charts zumachen. Ab hier arbeitet der Trade, nicht du.

Probier es durch: ein kompletter Set-and-Forget-Trade

Der folgende Simulator führt dich durch genau diesen Ablauf: Richtung prüfen, Zone finden, Bestätigung abwarten, Stop und Ziel setzen, platzieren und dann nicht mehr anfassen. Achte besonders auf den Moment, in dem der Trade gegen dich läuft und der Reflex kommt, den Stop zu verschieben. Genau da entscheidet sich Set and Forget.

Plane den Trade vollständig vor dem Entry, platziere ihn und lass ihn dann in Ruhe arbeiten.

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Qualität vor Quantität

Set and Forget lebt von Geduld. Ein bis zwei saubere Trades pro Woche reichen völlig, mehr ist meist Overtrading. Du wartest, bis alles zusammenkommt: Richtung auf zwei Timeframes, Preis an der AOI, Bestätigung, gutes CRV.

Einen Trade verpasst, weil du nicht am Screen warst? Kein Problem. Der Coin kommt auf die Watchlist, du setzt einen Alert an die Zone und wartest auf den Rücklauf, statt mid-move hinterherzuspringen. Einem gelaufenen Move nachzurennen ist genau das Gegenteil von Set and Forget.

Ehrliche Grenzen

Set and Forget passt zu Swing-Ansätzen auf höheren Timeframes (Daily, 4h), nicht zum Scalping. Wer im Minutenchart jede Zuckung mitnehmen will, ist hier falsch.

News-Spikes können deinen Stop reissen, bevor die Idee überhaupt eine Chance hatte. Und im 24/7-Krypto-Markt läuft der Preis auch nachts, während du schläfst. Genau deshalb ist der vorab gesetzte, feste Stop hier kein Nice-to-have, sondern die halbe Miete. Ein mentaler Stop schützt dich nachts nicht.

Teste dich selbst

Wann darfst du deine Set-and-Forget-Strategie ändern?

  • Im Wochenreview anhand des Journals, wenn eine Stichprobe von 20 und mehr Trades zeigt, dass sie nicht funktioniert
  • Sofort im laufenden Trade, wenn er gegen dich läuft
  • Nach dem ersten Verlust, dann ist sie widerlegt

Der Weekly zeigt higher highs, aber der Daily macht klar lower lows. Was tust du?

  • Kein Trade, es müssen mindestens zwei benachbarte Timeframes dieselbe Richtung zeigen
  • Long, der Weekly ist der wichtigere Timeframe
  • Short, weil der Daily zuletzt gesprochen hat

Dein Long läuft gegen dich Richtung Stop, und du denkst, den Stop nur dieses eine Mal etwas tiefer zu ziehen. Was ist richtig?

  • Stop bleibt, wo er ist, er markiert den Punkt, an dem die Idee widerlegt ist
  • Stop tiefer ziehen, der Trade braucht nur etwas mehr Luft
  • Nachkaufen, um den Einstand zu verbilligen

Du warst nicht am Screen und hast einen sauberen Entry an deiner AOI verpasst, der Preis ist schon weit gelaufen. Was tust du?

  • Auf die Watchlist, Alert an die Zone, auf den Rücklauf warten
  • Jetzt mit Market rein, sonst ist der Zug weg

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Das Wichtigste in Kürze

  • Stop und Ziel stehen als Zahlen fest, bevor die Order rausgeht. Der Plan entscheidet, nicht die Emotion im Trade.
  • Nur handeln, wenn mindestens zwei benachbarte Timeframes dieselbe Richtung zeigen und der Preis an einer AOI steht.
  • Der Stop wird niemals nach hinten verschoben. Er markiert den Punkt, an dem die Idee widerlegt ist.
  • Anpassungen passieren im Wochenreview anhand des Journals, niemals im offenen Trade.

Vertiefung

Warum schneidest du Gewinne ab und lässt Verluste laufen?

Van K. Tharp beschreibt den Kernfehler so: Die meisten Menschen sind im Gewinn risikoscheu und im Verlust risikofreudig. Im Gewinn willst du schnell sichern, im Verlust hoffst du auf die Wende.

Das Ergebnis ist cut profits short, let losses run, exakt das Gegenteil von dem, was funktioniert. Set and Forget ist die mechanische Antwort: Du triffst die Entscheidungen, bevor der Schmerz entsteht.

Wie setzt du Stop und Ziel richtig, bevor du platzierst?

Der Stop gehört an den Punkt, an dem deine Idee widerlegt ist, unter das Swing Low. Die Positionsgrösse rechnest du rückwärts vom Stop, nie umgekehrt.

  • Stop-Abstand in ATR denken: 1x bis 2x ATR ist Goodmans Bereich.
  • 0,5x ATR produziert viele Stop-Outs, 3x bis 4x grössere Einzelverluste.
  • Maximal 1 Prozent Risiko pro Trade, bezogen auf den Betrag bis zum Stop.
  • Beispiel: 10.000 Dollar Konto, 100 Dollar Risiko, Stop 17 Dollar, also 5 Einheiten.
  • Ziel an der nächsten Struktur, CRV mindestens 1 zu 2, besser 1 zu 3.

Warum ist Geduld beim Swing-Trading der eigentliche Edge?

Set and Forget lebt davon, dass du fast nichts tust. Jim Rogers wartet, bis Geld in der Ecke liegt, und trifft drei bis fünf Entscheidungen pro Jahr. Für dich heisst das ein bis zwei saubere Trades pro Woche.

Der häufigste Anfängerfehler ist das Hinterherspringen: Goodman nennt zwanghaftes Re-Entry 'death by a thousand cuts'. Verpasst du einen Entry, kommt der Coin auf die Watchlist und du wartest auf den Rücklauf.

CRV (Chance-Risiko-Verhältnis) = mögliches Gewinnziel geteilt durch geplantes Risiko. 1:2 heisst: doppelte Chance gegenüber dem Risiko.

Konfluenz = mehrere unabhängige Signale, die an derselben Stelle dasselbe sagen (z.B. Zone plus EMA plus Kerzensignal).

Quellen: Alex G (Swing Trading Lab): Forex Swing Mastery; Full Set and Forget Strategy; Douglas, Mark: Trading in the Zone; Elder, Alexander: The New Trading for a Living

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