Alle Artikel
Risikomanagement

Stop-Loss richtig setzen: Die Order, die dein Konto am Leben hält

Jan DreherJan DreherJuni 20267 Min. Lesezeit
SL

Der Stop-Loss ist die einzige Stelle im Trading, an der du deinen maximalen Verlust selbst bestimmst. Einstieg, Ausstieg, Marktrichtung: alles ist Hoffnung. Der Stop ist die eine Entscheidung mit Garantiecharakter, und trotzdem ist er die Order, die Anfänger am häufigsten weglassen, verschieben oder falsch platzieren.

Was eine Stop-Loss Order ist

Eine Stop-Loss Order schliesst deine Position automatisch, wenn der Preis ein festgelegtes Level erreicht. Bei einer Long-Position liegt der Stop unter dem Entry, bei einer Short-Position darüber. Die Börse überwacht das Level für dich, rund um die Uhr, auch wenn du schläfst. Genau deshalb schlägt eine echte Order jeden Vorsatz, im Ernstfall schon manuell auszusteigen.

Stop-Market oder Stop-Limit?

Für Futures-Anfänger ist die Stop-Market Order die richtige Wahl. Sie verkauft beim Erreichen des Levels sofort zum besten verfügbaren Preis, auch mit etwas Slippage, aber sie führt aus. Eine Stop-Limit Order verkauft nur bis zu deinem Limitpreis: rauscht der Markt schnell durch dein Level, bleibt sie unausgeführt und deine Position offen, ausgerechnet im schlimmsten Moment. Ein paar Cent Slippage sind der faire Preis für die Sicherheit, wirklich draussen zu sein.

Wohin der Stop gehört

Der Stop gehört an den Punkt, an dem deine Trade-Idee widerlegt ist. Kaufst du an einer Unterstützung, weil du erwartest, dass sie hält, dann ist die Idee widerlegt, wenn der Preis klar darunter schliesst, also gehört der Stop unter die Unterstützung. Nicht 2 Prozent unter den Entry, weil sich das rund anfühlt, und nicht an die runde Zahl, an der tausend andere Stops liegen.

Erst wenn der Stop steht, wird die Positionsgrösse berechnet: Risiko geteilt durch Stop-Abstand. Der Stop bestimmt die Grösse, nie umgekehrt. Wer die Position zuerst festlegt und dann einen Stop sucht, der zum Wunschrisiko passt, platziert ihn mitten ins Marktrauschen.

Die 3 klassischen Stop-Fehler

  • Der mentale Stop: 'Ich steig dann schon aus.' Unter Druck tust du es nicht, das ist keine Charakterfrage, sondern Loss Aversion. Nur eine echte Order zählt.
  • Der nachgezogene Stop: Der Kurs nähert sich, du schiebst den Stop weiter weg, 'nur dieses eine Mal'. Damit ist dein Risikoplan wertlos, denn er gilt nur noch, solange er nicht gebraucht wird.
  • Der Stop im Rauschen: 0,5 Prozent unterm Entry bei einem Markt, der täglich 3 Prozent schwankt. Der Stop wird vom normalen Auf und Ab ausgelöst, nicht von einer widerlegten Idee.
Ein Stop-Loss, den du verschieben würdest, ist keiner. Er ist eine Deko-Order mit Ablaufdatum.

Stop-Loss und Hebel: die Reihenfolge entscheidet

Beim Futures-Trading muss die Liquidation immer deutlich hinter deinem Stop liegen, sonst wirft dich die Börse raus, bevor dein Plan greift. Faustregel: bei einem 4-Prozent-Stop höchstens 15x bis 20x Hebel, mit Puffer weniger. Unser Positionsgrössen-Rechner warnt genau vor dieser Konstellation.

Häufige Fragen

Wird mein Stop-Loss garantiert zum eingestellten Preis ausgeführt?

Nein. Eine Stop-Market Order führt beim Erreichen des Levels zum nächsten verfügbaren Preis aus, in schnellen Märkten kann das schlechter sein als dein Level, das ist Slippage. Bei liquiden Märkten wie BTC oder ETH ist sie meist klein. Der seltene schlechtere Fill ist deutlich billiger als eine Stop-Limit Order, die im Crash gar nicht ausführt.

Sehen die Börsen meine Stops und jagen sie?

Deine einzelne Stop-Order interessiert niemanden, aber Cluster von Stops an offensichtlichen Levels (runde Zahlen, markante Hochs und Tiefs) ziehen Bewegungen an, weil dort Liquidität liegt. Die praktische Antwort ist nicht Verzicht auf Stops, sondern Platzierung mit etwas Abstand zu den offensichtlichsten Levels und eine Positionsgrösse nach der 1%-Regel.

Was ist ein Trailing Stop und brauche ich ihn?

Ein Trailing Stop zieht automatisch in festem Abstand hinter dem Kurs her und sichert so Gewinne, ohne dass du eingreifst. Er ist nützlich, wenn ein Trade bereits im Plus läuft. Für den Einstieg ist er zweitrangig: erst muss das Setzen des initialen Stops sitzen, denn der entscheidet über dein Risiko.

In welchem Verhältnis sollten Stop-Loss und Take-Profit stehen?

Das Verhältnis heisst Risk-Reward-Ratio, und unter 1 zu 1,5 lohnt ein Trade selten. Bei 1 zu 2 (Stop 4 Prozent, Take-Profit 8 Prozent) darfst du öfter falsch als richtig liegen und bleibst rechnerisch vorn. Wichtig ist, beides vor dem Entry festzulegen, danach entscheidet nicht mehr der Kopf, sondern der Plan.

+

Theorie gelesen? Übe sie mit Spielgeld, bevor sie dich Geld kostet.

Über 100 kostenlose Lektionen, ein Simulator mit echten Live-Kursen und der Positionsgrössen-Rechner. Ohne Abo, ohne Zahlungsdaten.

Kostenlos starten
Jan Dreher
Jan DreherGründer von daytrading-lernen.de

Jan Dreher ist Gründer von daytrading-lernen.de und baut Tools für Krypto-Trader, darunter den Simulator mit echten Live-Kursen von Binance und Bybit und den Positionsgrössen-Rechner der Plattform. Er schreibt hier über das Handwerk hinter dem Trading: Risiko, Positionsgrösse und die Mathematik, an der die meisten scheitern. Jede Zahl in seinen Artikeln ist nachrechenbar, jede Empfehlung begründet.