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Risikomanagement

Positionsgrösse berechnen: Die 1%-Regel praktisch erklärt

Jan DreherJan DreherJuni 20268 Min. Lesezeit
1%

Die meisten Anfänger wählen ihre Positionsgrösse nach Gefühl: heute mutig, morgen vorsichtig, übermorgen all in, weil das Setup so gut aussieht. Das Ergebnis ist ein Konto, dessen Schicksal von einem einzigen Trade abhängt. Die 1%-Regel beendet das.

Die Regel

Du riskierst pro Trade höchstens 1 Prozent deines Kontos. Riskieren heisst dabei nicht Positionsgrösse, sondern der Betrag, den du verlierst, wenn dein Stop-Loss auslöst. Das ist der entscheidende Unterschied, den viele übersehen.

Die Formel

Positionsgrösse in USDT gleich Risiko in USDT geteilt durch Stop-Abstand in Prozent. Beispiel: Konto 1.000 USDT, Risiko 1 Prozent, also 10 USDT. Dein Stop liegt 4 Prozent unter dem Entry. Rechnung: 10 geteilt durch 0,04 ergibt 250 USDT Positionsgrösse. Trifft der Stop, verlierst du genau 10 USDT. Nicht mehr.

  • Enger Stop (2 Prozent): 10 / 0,02 = 500 USDT Position
  • Mittlerer Stop (4 Prozent): 10 / 0,04 = 250 USDT Position
  • Weiter Stop (8 Prozent): 10 / 0,08 = 125 USDT Position

Merke: je weiter der Stop, desto kleiner die Position. Das fühlt sich zunächst falsch an, ist aber der Kern der Regel. Dein Verlust bleibt konstant bei 10 USDT, egal wie volatil das Setup ist.

Warum 1 Prozent und nicht 5?

Weil Verluststrähnen normal sind und die Mathematik gegen grosse Einsätze arbeitet. Selbst eine gute Strategie mit 50 Prozent Trefferquote produziert regelmässig 6, 8, auch 10 Verlierer in Folge, das ist keine Frage ob, nur wann. Entscheidend ist, was so eine Strähne mit dem Konto macht:

  • 1 Prozent Risiko: 10 Verlierer in Folge kosten 9,6 Prozent des Kontos. Ärgerlich, egal fürs Überleben.
  • 5 Prozent Risiko: dieselbe Strähne kostet 40 Prozent. Ab hier braucht es 67 Prozent Rendite zurück auf null.
  • 10 Prozent Risiko: 65 Prozent Verlust. Das Konto ist praktisch tot, psychologisch sowieso.

Dazu kommt der Kopf: wer pro Trade 1 Prozent riskiert, kann einen Stop-Out achselzuckend abhaken und den nächsten Trade sauber handeln. Wer 10 Prozent riskiert, handelt ab dem zweiten Verlierer nicht mehr seine Strategie, sondern seine Angst.

Der häufigste Einwand: damit komme ich ja nie voran

Stimmt für die erste Woche, und genau das ist der Punkt. Die 1%-Regel begrenzt nicht deinen Gewinn, sie begrenzt deinen Untergang. Gewinne skalieren über die Trefferquote, das Risk-Reward-Verhältnis und mit wachsendem Konto automatisch mit, denn 1 Prozent von einem gewachsenen Konto ist mehr als 1 Prozent vom Startkonto. Wer die Abkürzung über grössere Einsätze nimmt, beschleunigt beides, und die Verluststrähne kommt sicher.

Und der Hebel?

Der Hebel taucht in der Formel nicht auf, und das ist kein Versehen. Er bestimmt nur, wie viel Margin du für die 250 USDT hinterlegst: bei 10x sind es 25 USDT, bei 5x sind es 50 USDT. Dein Risiko bleibt in beiden Fällen 10 USDT. Der Hebel wird erst gefährlich, wenn er die Liquidation vor deinen Stop schiebt. Genau davor warnt unser Rechner.

Mit der 1%-Regel darfst du 20 Mal hintereinander falsch liegen und hast immer noch über 80 Prozent deines Kontos. Ohne sie reicht eine schlechte Woche.

Damit du nicht bei jedem Trade rechnen musst, gibt es auf der Plattform einen kostenlosen Positionsgrössen-Rechner: Risiko und Stop eingeben, Grösse ablesen, fertig. Er warnt zusätzlich, wenn dein Hebel die Liquidation vor den Stop legen würde.

Häufige Fragen

Gilt die 1%-Regel auch für kleine Konten?

Gerade für kleine Konten, denn die überleben Fehler am schlechtesten. Bei 500 USDT Konto sind 1 Prozent eben 5 USDT Risiko pro Trade, die Positionsgrössen bleiben dank Hebel trotzdem handelbar. Die Versuchung, bei kleinen Konten mehr zu riskieren, um schneller zu wachsen, ist genau der Mechanismus, der kleine Konten klein hält oder löscht.

Sind 2 Prozent Risiko auch okay?

2 Prozent sind die obere Grenze dessen, was Risiko-Literatur noch als vertretbar nennt, eine 10er-Strähne kostet dann schon 18 Prozent des Kontos. Sinnvoll ist eine ehrliche Selbsteinschätzung: Anfänger fahren mit 0,5 bis 1 Prozent besser, weil ihre Trefferquote noch unbewiesen ist. Erhöhen kannst du immer noch, wenn 100 dokumentierte Trades deine Strategie belegen.

Zählt als Risiko die Margin oder der mögliche Verlust?

Der mögliche Verlust am Stop, nie die Margin. Die Margin ist nur hinterlegtes Kapital und sagt nichts darüber, was du bei einem Stop-Out verlierst. Beispiel: 250 USDT Position mit 4 Prozent Stop riskiert 10 USDT, egal ob dafür 25 USDT Margin (10x) oder 50 USDT Margin (5x) hinterlegt sind.

Wie handhabe ich die Regel bei mehreren offenen Positionen?

Das Gesamtrisiko aller offenen Positionen zusammen sollte eine zweite Grenze haben, verbreitet sind 3 bis 5 Prozent. Drei Positionen mit je 1 Prozent sind also das obere Ende, vor allem wenn sie korreliert sind: BTC, ETH und SOL long ist praktisch ein einziger Trade in dreifacher Ausführung und verhält sich in einem Abverkauf auch so.

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Jan Dreher
Jan DreherGründer von daytrading-lernen.de

Jan Dreher ist Gründer von daytrading-lernen.de und baut Tools für Krypto-Trader, darunter den Simulator mit echten Live-Kursen von Binance und Bybit und den Positionsgrössen-Rechner der Plattform. Er schreibt hier über das Handwerk hinter dem Trading: Risiko, Positionsgrösse und die Mathematik, an der die meisten scheitern. Jede Zahl in seinen Artikeln ist nachrechenbar, jede Empfehlung begründet.